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Ich entsinne mich, daß ich während des Krieges in England Seiten um Seiten mit deutschen Worten vollschrieb. Sie hatten nichts mit dem zu tun, woran ich arbeitete. Sie fügten sich auch keineswegs zu Sätzen und figurieren natürlich nicht in den Aufzeichnungen jener Jahre. Es waren isolierte Worte, sie ergaben keinen Sinn. Plötzlich kam es wie ein Furor über mich, und ich bedeckte einige Seiten blitzrasch mit Worten. Sehr häufig waren es Substantive, doch nicht ausschließlich, auch Verben und Adjektive fanden sich ein. Ich schämte mich dieser Anfälle und verbarg die Blätter vor meiner Frau. Mit ihr sprach ich deutsch, sie war mit mir von Wien gekommen. Ich wüßte sonst sehr wenig, das ich vor ihr verborgen hätte.
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Ich empfand diese Wortanfälle als pathologisch und mochte sie damit nicht beunruhigen, es gab wie für alle anderen Menschen in jenen Jahren genug Beunruhigendes, das sich nicht verbergen ließ. Vielleicht sollte ich auch erwähnen, daß es mir sehr widerstrebt, Worte zu zerbrechen oder in irgendeiner Weise zu entstellen, ihre Gestalt ist für mich unantastbar, ich belasse sie intakt. So kann man sich eine geistlosere Beschäftigung als diese Aneinanderreihung von unversehrten Worten schwerlich denken. Wenn ich spürte, daß ein solcher Wortanfall bevorstand, sperrte ich mich wie zur Arbeit ein. (.....) Ich muß aber noch hinzufügen, daß ich mich während dieser Beschäftigung besonders glücklich fühlte. Es kann seither für mich kein Zweifel daran bestehen, daß Worte mit einer besonderen Art von Leidenschaft geladen sind. Sie sind eigentlich wie Menschen, sie lassen sich nicht vernachlässigen oder vergessen. Wie immer sie verwahrt werden, sie behalten ihr Leben, plötzlich springen sie hervor und erzwingen ihr Recht. Elias Canetti |
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